Der Chief Compliance Officer verantwortet die Einhaltung gesetzlicher und interner Regeln in einem Unternehmen, von Datenschutz über Antikorruption bis zu Lieferkettenanforderungen. Er baut Kontrollsysteme auf und schult die Belegschaft. Ohne eigene Position liegt diese Verantwortung meist bei der Rechtsabteilung oder direkt bei der Geschäftsführung. Der konkrete Zuschnitt richtet sich in der Praxis stark nach dem Regulierungsgrad der jeweiligen Branche.
Im Familienunternehmen trifft Compliance-Arbeit häufiger auf informell gewachsene Strukturen und persönliche Vertrauensverhältnisse, was den Einführungsprozess sensibler macht. Im Konzern sind Compliance-Prozesse meist bereits etabliert und in globale Richtlinien eingebunden. Zudem verläuft die Einführung von Kontrollmechanismen im Familienunternehmen häufig schrittweise, um bestehende Vertrauensstrukturen nicht abrupt zu erschüttern. Zudem verlangt die Einführung neuer Kontrollen im Familienunternehmen oft mehr Erklärungsaufwand.
Typische Anlässe sind neue gesetzliche Anforderungen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, internationales Wachstum mit neuen regulatorischen Pflichten oder ein konkreter Compliance-Vorfall. Auch vor einem Verkaufsprozess wird häufig gezielt in professionelle Compliance-Strukturen investiert. Auch eine anstehende Zertifizierung oder eine Anforderung eines wichtigen Großkunden entlang der Lieferkette führt regelmäßig zur gezielten Besetzung.
„Chief Compliance Officer“ beschreibt eine Position auf Führungsebene mit strategischer Gesamtverantwortung, während „Compliance-Beauftragter“ häufig eine operativere, gesetzlich vorgeschriebene Funktion ohne direkten Sitz in der Geschäftsführung bezeichnet. In der Praxis überschneiden sich beide Rollen häufig, wobei der Chief Compliance Officer stärker strategisch und bereichsübergreifend eingebunden ist.

