Der Chief Risk Officer verantwortet die systematische Identifikation, Bewertung und Steuerung unternehmerischer Risiken. Er berät die Geschäftsführung bei risikorelevanten Entscheidungen und baut Frühwarnsysteme auf. Fehlt eine eigenständige Position, deckt meist der CFO diesen Bereich mit ab. Die Bewertung von Cyber- und Lieferkettenrisiken gewinnt dabei zunehmend an Gewicht, da klassische Versicherungslösungen hier oft nicht ausreichen.
Im Familienunternehmen ist ein Großteil des Vermögens meist direkt im Unternehmen gebunden, was Risikoentscheidungen persönlicher macht. Im Konzern verteilt sich das wirtschaftliche Risiko auf eine breitere Aktionärsbasis mit stärker standardisierten Risikoprozessen. Zudem berichten Chief Risk Officer im Familienunternehmen häufiger direkt an Gesellschafter, während im Konzern ein mehrstufiges Risikokomitee üblich ist.
Typische Anlässe sind internationales Wachstum mit neuen Risikoarten, ein konkreter Vorfall wie ein Lieferkettenausfall oder wachsende regulatorische Anforderungen an das Risikomanagement. Auch vor größeren Investitionsentscheidungen wird häufig gezielt Risikoexpertise aufgebaut. Auch neue regulatorische Anforderungen an Risikoberichterstattung führen zunehmend dazu, dass gezielt externe Risikoexpertise aufgebaut wird.
„Chief Risk Officer“ beschreibt eine Position auf Führungsebene mit strategischer Gesamtverantwortung für das Risikomanagement, während „Risikomanager“ häufig eine operativere Funktion ohne direkten Sitz in der Geschäftsführung bezeichnet. In der Praxis trägt der Chief Risk Officer zusätzlich strategische Verantwortung für Frühwarnsysteme, die über klassisches Risikomanagement hinausgeht.

